Pen

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Artikel "Der Einsatz von so genannten PEN´s in der stationären Altenpflege" Als Pflegekraft in einer Einrichtung der stationären Altenpflege tätig zu sein bedeutet, Gesundheit zu erhalten oder wieder herzustellen, Krankheit und Schädigungen zu vermeiden und Leiden zu lindern.
Unterstützung erhält die Pflege in ihrer Arbeit durch technische Hilfsmittel, so genannte Medizinprodukte. Die rasante Entwicklung der technischen Möglichkeiten eröffnet ständig neue Methoden oder Verbesserungen der bestehenden Verfahren. Auch bei der Pflege und Betreuung von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen sind immer mehr Medizinprodukte im Einsatz. Die Erleichterungen, die diese Geräte, z.B. Lifter, Wechseldruckmatratzen oder PEN`s mit sich bringen, werden gerne angenommen. Die Regelungen jedoch, die notwendig sind, um die Gefahren durch die Anwendung dieser Geräte (Falsch-anwendung / Verschleiß / Defekt / Hygiene) zu minimieren, werden nicht immer durchgängig von allen Verantwortlichen und Anwendern getroffen und ein-gehalten. Dass der unkritische Einsatz auch Gefahren mit sich bringt, wird in der Regel dann nicht reflektiert, wenn die tägliche Erleichterung groß und die Gefahren nicht augenfällig bzw. "nur" bei einer Verkettung von unglücklichen Umständen auftreten.

So entsteht z.B. bei einer Insulininjektion mittels PEN die paradoxe Situation, dass

a) der Komfort und die Sicherheit der Insulin - Verabreichung im Moment der
Injektion durch diese Entwicklung der Industrie deutlich verbessert werden konnte
und
b) eine potenzielle Gefährdung der insulinabhängigen Bewohner eines Wohnbereiches
gegeben ist, wenn bei der Lagerung der PEN s zwischen den Injektionen keine
Regelung existieren, die Funktionstüchtigkeit und Hygiene garantieren.

Die Entwicklungen der Industrie hin zur besseren Versorgung von insulin-abhänigen Menschen im häuslichen Bereich, die nun, nach Anleitung durch ihre Hausärzte, selbst bzw. deren Angehörige zu Hause injizieren können, sind positiv.

Probleme entstanden, als diese Hilfsmittel aus dem häuslichen Bereich in die stationären Einrichtungen "übersiedelten". Hier gelten andere "Regeln": Der gewünschte besondere Schutz von alten und / oder kranken Menschen in gewerblichen Versorgungseinrichtungen hat besondere / strengere Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und Rechtsprechung hervorgebracht. In dem Moment, in dem ein pflegerischer Mitarbeiter einer Einrichtung einen PEN in die Hand nimmt und eine Insulingabe vornimmt, haften er, seine Fachvorgesetzten und der Betreiber einer Einrichtung auch dann, wenn der PEN persönliches Eigentum des Bewohners ist. Das andere - professionelle - Verhalten erklärt sich aus der gemeinschaftlichen Versorgung in einer Einrichtung. Hier entstehen besondere Risiken, die bei ungeeigneten bzw. nicht vorhandenen Regelungen eine Übertragung von Krankheiten möglich macht. Dabei ist es unerheblich, ob diese Krankheit leicht oder schwer verläuft und / oder Folgen hat. Professionalität beinhaltet im Unterschied zur Laienpflege, dass die Risiken bekannt, richtig eingeschätzt und Vorsorge zur Vermeidung getroffen werden. Im Unterlassen solcher Regelungen ergeben sich dann auch die einklagbaren Ansprüche der Bewohner und ihrer Angehörigen.

So ergeben sich beim Einsatz von so genannten PEN`s bzw. Injektionssysteme für die Insulintherapie durch Pflegekräfte in der stationären Altenhilfe folgende Punkte, die individuell in jeder Einrichtung geregelt und eingehalten werden müssen:


Die Verwendung von Insulin und PEN darf nur nach Herstellerangaben erfolgen,
jeder Mitarbeiter ist verpflichtet in jedem Einzelfall die Gebrauchsinformationen und
Arztanordnung nachzuvollziehen.

Insulin, das nicht in Gebrauch ist, wird bis zur Verwendung (Verfalldatum beachten)
im Kühlschrank gelagert (2 - 8 ° C, nicht einfrieren).

Insulin im Gebrauch, ob als Fertigpen oder als Patrone in einem
mehrfachverwendbaren PEN, wird bei Raumtemperatur (unter 30 ° C, nicht Licht
und Hitze aussetzen) gelagert, je nach Herstellerangaben 4 - 6 Wochen.

Sind in einem Wohnbereich mehrere PEN`s im Gebrauch, sind diese mit den
Bewohnerdaten zu versehen, um Verwechslungen zu vermeiden.

Eine Desinfektion ist nicht möglich, lediglich eine Reinigung: teilweise nur mit
Wasser, teilweise mit Alkohol. Die im Gebrauch befindlichen PEN`s dürfen deshalb
nicht gemeinsam gelagert werden (Spritzentablett) da eine Keimübertragung von
PEN zu PEN möglich ist.

Vor jeder Insulingabe (Vorbereitung / Injektion / Nachbereitung) ist eine
Händedesinfektion notwendig.

Die Kanülen sind als Einmalprodukte hergestellt und dürfen nur einmal verwendet
werden. Die Firmen weisen explizit auf den Nadelwechsel hin. Die
Berufsgenossenschaft lehnt Mehrfachverwendung und Recappping ab und empfiehlt
spezielle Halterungen und Abfallboxen zur Nadelentfernung und Entsorgung.

Je nach PEN muss eine Gummimembran (Gebrauchsanweisung) vor Aufsetzen der
Nadel desinfiziert werden. Nach der Injektion muss die Nadel entfernt werden, um
ein Verunreinigung und Eindringen von Luft in den Insulinbehälter zu verhindern.

Vor der Injektion ist die Haut des Bewohners zu desinfizieren.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Entwicklungen der letzten Jahre sehr zu begrüßen sind, da sie die Selbstständigkeit und Bewegungsfreiheit der betroffenen Menschen verbessert hat. Die Empfehlungen, die im Umgang mit dem PEN für den häuslichen Bereich gegeben und in den Schulungen gelehrt werden, können nicht unkritisch in die stationären Einrichtungen übernommen werden, da hier Regelungen nötig sind, die über 24 Stunden an 365 Tagen für alle Mitarbeiter gültig, auch bei Verkettung unglücklicher Umstände eine Sicherheit für alle Bewohner garantieren.

Weitere Informationen und Literaturangaben können über die Verfasserin bezogen werden.

Anschrift der Verfasserin:

Marion Mielsch
Hinter den Gärten 3
69469 Weinheim
E-Mail: marion.mielsch@t-online.de